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Kölner CSD - seine Untiefen und unsere Meinung PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Lisa Wartala   
28.05.2013

Huch, ein neues Phänomen: Intersektionazionalismus

In Köln am Rhein, der selbst- und fremdernannten „Hauptstadt der Schwulen“, hat sich die lokale rassistische Kleinpartei „Pro Köln“ für die Parade des Christopher Street Days angemeldet. Sofort haben lokale und Szenemedien mit Fassungslosigkeit und Ungläubigkeit reagiert. Dabei gibt es für diese, im ersten Moment tatsächlich absurd erscheinende, Aktion zwei klare und verständliche Erklärungen.

Die erste lautet: Der CSD ist unpolitisch. Abgesehen davon, dass er allgemein auf radikale Forderungen und Positionen verzichtet, um eben nicht (mehr) anzuecken, sondern in der vermeintlichen Gesellschaftsmitte zu stehen (die vermeintlich entscheidende Schlacht der Emanzipation wird gerade im Bundestag um das Recht auf die bürgerliche Ehe geschlagen), gilt speziell in Köln noch ein weiterer, problematischer Grundsatz: Jede feierliche Veranstaltung, egal ob „öffentlich“ oder „privat“, entwickelt sich automatisch binnen kurzer Zeit zum Karnevalsevent. Ob katholischer Weltjugendtag, antirassistisches Straßenfest, Hochzeit, Männerfußball oder Leichenschmaus – am Ende steht der gemeinschaftliche Abgesang der „vaterstädtischen“ Hymne Viva Colonia oder anderer lokalpatriotischer Gesänge. Das hat zwei Phänomene zur Folge: Erstens einen breiten städtischen Konsens, in dem sich fast alle irgendwie aufgenommen fühlen können (Mir all sin Kölle), gleichzeitig aber natürlich die Abwertung des ursprünglichen Anlasses – die Beliebigkeit.

Dier zweite Erklärung: Die Nazis sind zynisch. Die offizielle Begründung für die erwünschte CSD-Teilnahme lautet: Als Gegner*innen des auch homophoben islamischen Fundamentalismus und aufgrund der hohen Gewaltbereitschaft von Menschen mit Migrationshintergrund, welche sich unter anderem explizit gegen nicht-heterosexuelle Menschen richte, müsse man ein Zeichen für Toleranz setzen. Im Klartext: „Fremdrassige“ Menschen und Muslime seien besonders homosexuellenfeindlich - Lupenreine rassistische und stigmatisierende Zuschreibungen, die nix dazu beitragen sollen, der alltäglichen Homophobie und Transphobie dieser Gesellschaft etwas entgegenzusetzen. (Wenn sie ihre eigene Parole vom „Abendland in Christenhand“ ernst nehmen würden, hätten sie übrigens längst gegen das sich mittlerweile sogar in Köln ausbreitende Atheist*innentum aktiv werden können, anstatt ihre Energie in die Hetze gegen zum Teil christliche Geflüchtete zu investieren.) Es wäre deshalb vollkommen fatal, sich mit diesen Typen auf solche Scheindiskussionen einzulassen.

Soweit nun zur Ausgangslage, es fragt sich: Was tun? Erstens sollten wir uns darüber bewusst werden, was der CSD bedeutet: Im Juni 1969 haben sich in der New Yorker Christopher Street Transgender und Homosexuelle gegen eine der regelmäßig stattfindenden Razzien gewehrt und die Polizist*innen vertrieben. In Erinnerung an diesen gewaltsamen Widerstand gegen staatliche Diskriminierung finden seit 1970, mittlerweile in vielen Teilen der Welt, sommerliche Demonstrationszüge statt.

Das fröhliche, bunte Straßenfest, die Unterstützung durch kommerzielle Sponsor*innen, das Shakehands mit Bürgermeister*innen sind immer das (Zwischen-)Resultat und nicht der entscheidende Teil unseres Kampfes für eine Welt der Freien und Gleichen, in der alle Menschen ohne Angst verschieden sein können! Wenn jetzt Vertreter*innen von Stadt und institutionalisiertem CSD zu Ruhe und Ordnung ermahnen und vorschlagen, die Nazis einfach zu ignorieren oder dem Teilabschnitt der Parade, den sie ausmachen, den Rücken zuzukehren (…), sollten wir klarstellen: Verbesserungen der Lebensbedingungen von von gesellschaftlicher Diskriminierung betroffenen Menschen werden an allen Orten durch klare und entschiedene, aufsehenerregende und Empörung und Verunsicherung auslösende, oft auch ungesetzliche Aktionen erstritten und nicht an Wurst- oder Bierbuden erquatscht.

Die Parole für Köln kann deshalb eigentlich nur lauten, und zwar dreimal von Herzen:
RIOT ALAAF!

Marvin (KV Köln)

P. S.:

Wer sich über den weiteren Verlauf informieren möchte, wird auf queer.de und ksta.de sicherlich fündig.

 

Letzte Aktualisierung ( 28.05.2013 )
 
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